Header Presse Aktuelle

Bild Header mobile Presse Aktuelles

Die Herausforderungen für die Gemüseanbauer steigen ständig. Auf dem gut besuchten westfälisch-lippischen Gemüsebautag in Münster-Wolbeck machte das der Stellvertretende Vorsitzende, Hubert Schräder, im Jahresrückblick deutlich. Nicht nur die sich ständig ändernde Gesetzgebung sorgt für immer mehr Aufwand, auch das Wetter sorgt zunehmend für mehr Arbeit bei den Produzenten.

„Wetterextreme werden auch zukünftig in unserer Region immer häufiger auftreten. Im Gemüsebau schränkte die große Hitze und Wassermangel das Wachstum der Pflanzen stark ein was mit entsprechenden Ertragsrückgängen verbunden war. Doch auch der Arbeitsaufwand war wie bereits im Vorjahr gewaltig und die Trockenheit forderte die Betriebe auch wieder bis an die Grenzen des Erträglichen. Durch enorme Anstrengungen konnten so zumindest 80 Prozent der Flächen bewässert werden. Die hohen Kosten für die Wasserversorgung schmälerten das Betriebsergebnis jedoch deutlich“ erklärte Schräder.

Immer schwieriger wird es für die Betriebe, ausreichend Erntehelfer zu beschaffen. „Es wird angenommen, dass über 50 Prozent der Erzeuger heute noch nicht wissen, ob die Produktion reduziert oder ausgeweitet werden soll. Viele Anbauer reduzieren vorsorglich die Flächen auch aufgrund des Erntehelfermangels. In den vergangenen Jahren ist es für die landwirtschaftlichen Betriebe jedoch immer schwieriger geworden, Erntehelfer aus Nicht-EU-Staaten zu rekrutieren. Auch dieser Trend ist bereits seit einiger Zeit spürbar. Aufgrund unterschiedlichster Faktoren ist besonders in vielen Ländern Osteuropas die wirtschaftliche Entwicklung deutlich gestiegen und somit die Bereitschaft zu Saisontätigkeiten gesunken. Die Verbände sind hier seit Monaten intensiv mit der Politik in Gesprächen zu Verhandlungen mit Drittstaaten (Westbalkan-regelung). Ob das allerdings unseren großen Bedarf an Saison-AK´s befriedigen kann, ist eher ungewiss. Eventuell müssen wir hier einfach aus Osteuropa einmal „wegdenken“ und uns kontinentaler aufstellen. Länder wie Vietnam und Thailand, sowie Südamerika sind hier im Gespräch.

Aber ob uns das in diesem Jahr weiterhelfen wird…? Dies alles sorgt für große Unsicherheit in der Branche. Für die Sonderkulturerzeuger mit großem Personalbedarf ist Planungssicherheit schließlich unabdingbar, aber natürlich auch für die kleineren Betriebe“ stellte Schräder fest.

Das beschlossene Aktionsprogramm Insektenschutz enttäuscht die Gemüsegärtner ebenso wie die Verschärfung der Düngeverordnung. „Was passiert eigentlich, wenn wir immer mehr Auflagen und Bürokratismus aufgebürdet bekommen? Schlussendlich werden unsere Anbauer ihre Betriebe aufgeben müssen, da der Arbeitsaufwand so nicht mehr geleistet werden kann, ohne zusätzliches Personal einzustellen. Regionales Obst und Gemüse wird dann zur Mangelware. Stattdessen werden diese Grundnahrungsmittel importiert werden müssen, was nicht nur hiesige Umweltprobleme einfach exportiert, sondern gleichzeitig einen radikalen Anstieg der C02-Belastung verursacht. Vielleicht sollten unsere Politiker einfach mal Probleme in einer Ganzheit betrachten und nicht nur Stückchen weise“ forderte Schräder. Vor diesem Hintergrund bezeichnete Hubert die Verbandsarbeit als wichtig, es sei für alle unerlässlich auch bei widrigsten Umständen einen starken Partner an seiner Seite zu wissen. „Wir produzieren vor unserer Haustür frisches Gemüse und vermarkten es regional. Und genau dieses Gemüse, welches so auf dem Feld steht, frisst Co2, vielleicht betrachten wir es mal von dieser Seite“ gab Schräder zum Abschluss seinen aufmerksam zuhörenden Kollegen als Argumentationshilfe mit auf den Weg.

Dr. Jons A. Eisele, als Vertreter des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW informierte anschließend umfangreich über die Beweggründe zur Erlassung der Düngeverordnung. Wie müssen die Anbauer nachbessern, um die DüV so umzusetzen, dass wir in Deutschland und insbesondere in dem von vielen roten Gebieten geprägten NRW die EU-Vorschriften adäquat erfüllen. Natürlich sind viele vorgesehene Maßnahmen für die Gemüsegärtner nicht zielführend, da die Anforderungen des LEH und die Umsetzung der DüV sehr weit auseinanderklaffen. Befürchtet wird, dass die hohe Qualität der Ware nicht länger gewährleistet und als Folge dessen auch nicht vermarktet werden kann, was wiederum die Verdrängung von einheimischen und regionalen Produkten durch ausländische Erzeugnisse zur Folge hätte. Dies sind einige der sehr ernsten Befürchtungen, die den Gemüseanbau bewegen – das wurde auch in der anschließenden Diskussion mit dem Referenten deutlich.

Marion von Chamier, Juristin des WLAV in Münster, referierte anschließend über die rechtlichen Neuerungen zur Beschäftigung von Saison-AK. Dabei wies sie vor allem darauf hin, was dringend in 2020 zu beachten ist. Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen der Fortbildung zum Pflanzenschutz.

Gemüse1.jpg kamera

Hubert Schräder zog die Bilanz für 2019 stellvertretend für den Vorsitzenden Frank Felten