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Mindestlohn und Pflanzenschutz im Fokus

„Der Geschäftsverlauf in den Gemüsebetrieben im letzten Jahr war geprägt von konstant niedrigen Preisen mit wenigen Preisspitzen. Der frühe Start in die Saison nach dem milden Winter und die guten Wachstumsbedingungen führten dazu, das fast das ganze Jahr das Angebot und die Verfügbarkeit von Gemüse die Nachfrage leicht überstieg. Insgesamt ist wie auch schon in den letzten Jahren festzustellen, dass die Anforderungen an die Betriebe immer höher werden“, erklärte Frank Felten, Menden, Vorsitzender des Fachverbandes Gemüsebau im Landesverband Gartenbau Westfalen-Lippe e. V., vor dem sehr gut besuchten Forum in Münster-Wolbeck.

Zu den erhöhten Anforderungen gehört neben dem Mindestlohn, der vor allem für Saisonkräfte noch mehr Bürokratie verursacht, unter anderem der Entwurf zur neuen Düngeverordnung. „Das Düngerecht muss auch in Zukunft am Düngebedarf der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen orientiert und in der Praxis in den Betrieben umsetzbar sein“, forderte Felten. So müsse sich die Düngebedarfsermittlung weiterhin an der tatsächlichen Ertragserwartung orientieren und dürfe nicht in unverhältnismäßiger Weise bürokratisiert werden, führte Felten weiter aus. Vor allem für den Gemüsebau mit seinen vielen Kulturen, die dazu oft noch in mehreren Sätzen angebaut werden, müssten praktikable Lösungen gefunden werden. Eine schlug der engagierte Vorstand gleich selbst vor: Pflanzenarten mit vergleichbaren Nährstoffansprüchen in die bekannten Gruppen wie stark-, mittel- und schwachzehrend einordnen.

Abschließend wies Frank Felten noch auf den Sachstand zur Fusion der beiden Gartenbauverbände in Nordrhein-Westfalen hin. Für Gemüsegärtner, die bisher einer Sonderumlage unterfielen, das hat unter anderem Verhandlungsführer Bernd Wortmann für seine Sparte erreicht, wird es allerdings eine Übergangsfrist von drei Jahren geben, in der die Beiträge stufenweise an die rheinischen angepasst werden. Die gemeinsame Satzung wurde bereits Anfang Dezember 2014 verabschiedet.

Mindestlohn und Saisonarbeit

Mit dem Thema Mindestlohn und Saisonarbeit beschäftigte sich Rechtsanwalt Michael Klein WLAV, Münster. Klein wies die Gemüsegärtner auf drei Probleme im Zusammenhang mit dem Mindestlohn besonders hin:

1. Fälligkeit: Der Mindestlohn muss laut Gesetz monatlich ausgezahlt werden. Das wiederspricht jedoch den Wünschen vieler Saisonarbeiter, die lieber den gesamten Lohn für ihren dreimonatigen Einsatz nach Beendigung ihrer Tätigkeit in Empfang nehmen würden. Die Prüfungen zum Mindestlohn werden von den Hauptzollämtern durchgeführt, sie sind als strenge Prüfer bereits bekannt. Kleins Tipp zum Thema Auszahlung: Mit dem Arbeitnehmer neben dem normalen Arbeitsvertrag einen „Verwahrvertrag“ abschließen, in dem festgelegt wird, das der Arbeitgeber den Lohn bis zum Ende der Tätigkeit im Auftrag des Saisonarbeiters aufbewahren soll. Dass viele Betriebe dieses Thema beschäftigt, zeigt die anschließende ausführliche Diskussion. Tipp aus der Praxis: Mit dem Zollämtern Kontakt aufnehmen und die Lage schildern, dabei stießen die erste Betriebe auf offenen Ohren für ein so bislang nicht bekanntes Problem.

2. Anrechnung von Sachbezügen/ Logis: Kost und Logis dürfen nicht gegen den Mindestlohn aufgerechnet werden. Kleins Empfehlung sind hier wieder zwei Verträge. Neben dem eigentlichen Arbeitsvertrag braucht es einen zweiten, der zum Beispiel die Gebühren für die Miete der Unterkunft regelt. Für Betriebe, die viele Saisonarbeiter beschäftigen, könnten hier aber auch Fallen lauern: Die Vermietung von Gebäude gilt als gewerbliche Tätigkeit. Fällt nun ein Gemüsegärtner beim Finanzamt mit viel gewerblicher Tätigkeit auf, passt das zum Beispiel aus steuerlicher Sicht nicht mit Privilegien wie dem Bauen im Außenbereich zusammen. Gute Beratung durch erfahrene Fachleute scheint hier unabdingbar.

3. Arbeitszeit: Auch für Saisonarbeiter gilt, acht Stunden am Werktag und 60 Stunden in der Woche dürfen grundsätzlich nicht überschritten werden. Ausnahmen gibt es, allerdings darf dann der Arbeitstag auch einmal zehn Stunden betragen, wenn die durchschnittliche Arbeitszeit von sechs Monaten acht Stunden nicht übersteigt. Hier kann Mehr- durch Minderarbeitszeit ausgeglichen werden. Trotzdem wird das vielen Saisonarbeitern nur schwer zu vermitteln sein: Sie wollen in kurzer Zeit möglichst viel Arbeiten um viel zu verdienen.

Viele Betriebe beschäftigt darüber hinaus die neue verschärfte Aufzeichnungspflicht der Arbeitszeit, die für alle gilt. Sie wird, soviel ist jetzt schon sicher, für noch mehr Bürokratie sorgen. Da alle Verstöße gegen den Mindestlohn wie auch gegen das Arbeitszeitgesetz hart bestraft werden, sollten sich die Betriebe von guten Fachleuten beraten lassen.

Personalien

Alfons Hesters, Waltrop, schied nach 34jährigem Engagement im Vorstand des Fachverbandes Gemüse aus dem Vorstand aus. Vorstandsmitglied Bernd Wortmann, Herford, hielt für das „Urgestein des Fachverbandes“ eine humorvolle Laudatio, in der über sehr viele Ehrenämter und Engagements für den Berufsstand auf Landes- und Bundesebene berichtet wurde. Bereits mit 15 Jahren übte der Waltroper sein erstes Ehrenamt als Schriftführer der Landjugend aus. Nach der Ausbildung in Landwirtschaft und Gemüsebau und dem Abschluss der Meisterschule übernahm Alfons Hesters 1982 den elterlichen Betrieb, der später dann als „Waltroper Gemüsehof“ für die Schwerpunkte Erdbeeren und Spargel bekannt war. Bereits 1979 trat er in den Verband ein, engagierte sich dort im Fachverband und später auch auf Bundesebene. Bei seinen Engagements bewies Alfons Hesters immer Weitblick – so war er auch Mitglied im Ausschuss Technik und Energie des Landesverbands, engagierte sich im Produktausschuss bei der CMA in Bonn und war Mitglied und Vorsitzender der Gehilfen- und Meisterprüfungskommission für Gemüse. Dazu kam noch das Engagement in der lokalen Politik. Kollegen kennen und schätzen Alfons Hesters als offenen Menschen, der anderen gern mit Rat und Tat zur Seite stand und steht. Trotz der vielen ehrenamtlichen Arbeit fand Hesters oft noch Zeit für sein liebstes Hobby – er ist begeisterter Jäger.

Frank Felten, Menden, Vorsitzender des Fachverbandes Gemüse, und Franz-Josef Goer, Waltrop, Mitglied im Vorstand, wurden von den Delegierten der Wintertagung in Münster-Wolbeck einstimmig in ihren Vorstandsämtern für weitere drei Jahre bestätigt.

Dennis Crmjani ist der neue Berater für Gemüsebau in Münster-Wolbeck. Crmjani, der in Osnabrück unter anderem die Schwerpunkte Produktion, Statistik und Phytomedizin studiert hat, hat bereits im Rahmen des Studiums in Münster im Bereich Beratung Gemüsebau der LWK hospitiert, und steigt nun ganz ein und wird den bisherigen alleinigen Berater für Westfalen-Lippe, Christian Stahl, bei seiner Beratungsarbeit unterstützen.

 

Text: Christiane James, Straelen

 

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pfeil nach rechts Bildzeile: Der Westfälisch-Lippische Gemüsebautag 2015 war wegen der vielen aktuellen Themen in diesem Jahr besonders gut besucht. (Foto:Christiane James)

 

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pfeil nach rechts Bildzeile: Frank Felten, Vorsitzender des Fachverbandes Gemüsebau im Landesverband Gartenbau Westfalen-Lippe e. V., zog für das vergangene Jahr eine gemischte Bilanz. (Foto:Christiane James)

 

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pfeil nach rechts Bildzeile: Alfons Hesters bei seinem kurzen Rückblick auf seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit für den Gemüsebau auf Landes- und Bundesebene. (Foto:Christiane James)

 

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pfeil nach rechts Bildzeile: Frank Felten, Anke Knaup, Alfons Hesters und Bernd Wortmann, der im Auftrag des Vorstandes eine humorvolle Laudatio hielt, von links nach rechts. (Foto:Christiane James)

 

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pfeil nach rechts Bildzeile: Dennis Crmjani ist der neue Berater für Gemüsebau in Münster-Wolbeck.(Foto: privat)

 

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