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Am 22. Juni 2016 wird der neue Gartenbauverband NRW gegründet. Im Dezember tagten die beiden Landesverbände zum letzten Mal am Vormittag getrennt und am Nachmittag gemeinsam. Auszüge aus diesem historischen Tag.

Blumen und Pflanzen gegen Sinnlosigkeit

„Als Gärtner sprechen wir in einer sinnsuchenden Zeit unsere Mitmenschen an. Gerade in den letzten Wochen haben viele Menschen mit Blumen ihren Gefühlen Ausdruck verliehen. In Paris, in Berlin, an den Novemberfeiertagen, zum Advent. Blumen und Pflanzen als Wert gegen Sinnlosigkeit, als Hoffnungsträger und als Erinnerung“, erklärte Eva Kähler-Theuerkauf ihren aufmerksamen Zuhörern im großen Plenum in Bochum. Die Präsidentin des Landesverbandes Gartenbau Rheinland hielt diese Rede stellvertretend für alle Mitglieder aus beiden Verbänden. Dabei beschäftigte sich Kähler-Theuerkauf intensiv mit dem Thema, das auch den Gärtnern in den letzten Jahren keine Ruhe mehr lässt: Die immer niedrigeren Preise für Blumen und Pflanzen und die scheinbar immer geringere Wertschätzung bei den Kunden. Dass es durchaus eine Wertschätzung für die gärtnerischen Produkte gibt, zeigen die ersten Sätze. Allerdings wandeln sich die Ansprüche der Kunden. „Ein weiteres Verharren und Beschwören der alten Formel ‚Es hat noch immer gut gegangen‘ ist nicht mehr zeitgemäß“, machte Eva Kähler-Theuerkauf ihren Zuhörern klar. „Wenn der Schrebergarten out ist und Urban Gardening in, dann ist das so. Veränderung ist Fortschritt in eine neue Richtung“. Wichtig sei, dass sich die Kunden mit Blumen und Pflanzen beschäftigten und die Produkte der Gärtner kaufen. Allein mit Urban Gardening sei den Produktionsbetrieben selbstverständlich nicht geholfen. „Wir müssen dauerhaft in das Marketing investieren, junge Menschen neu abholen und dafür sorgen, dass ältere Menschen uns treu bleiben.“ In diesem Zusammenhang begrüßte Kähler-Theuerkauf die insgesamt sechs Image- und Marketingkampagnen, die zurzeit aus dem Berufsstand heraus entwickelt werden.

Zu den Problemen auf dem Markt kommen Rahmenbedingungen, die auch wegen immer schärferer Gesetzeslagen für die Gärtner nicht einfacher werden. Am Beispiel der Novellierung der Düngeverordnung machte die rheinische Präsidentin klar, das von den Gärtnern auch Handeln gefragt ist um auf Dauer glaubwürdig zu bleiben: „Wir Gärtner tragen gemeinsam mit der Landwirtschaft die Verantwortung, was mit Boden und Wasser passiert. Diese Verantwortung können wir nicht delegieren und sollten sie uns auch nicht aus der Hand nehmen lassen. Kooperation vor Ordnungsrecht, das muss die Devise sein. Wer hier fahrlässig hantiert, riskiert den Verlust der Selbstverwaltung“.

Mentaltrainer Klaus Rempe, Münster, sorgte im Anschluss an die harte Verbandspolitik mit seinem Vortrag „Sieger erkennt man am Start – mentalfit für die Zukunft“ mit seinen humorvollen Ausführungen für viel Stimmung im Saal. H. Christian Leonhardts, Wuppertal, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW, hatte die Ehre, das Schlusswort dieser historischen Tagung zu sprechen. „Die Verschmelzung ist bei uns auch nicht von allein gelaufen. Aber ich kann ihnen bestätigen, das die Durchschlagskraft unseres gemeinsamen Verbandes erheblich besser ist“, bestätigte er zum Abschluss Rheinländer und Westfalen auf ihren jetzt eingeschlagenen Weg.

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pfeil nach rechts Gut besucht war die gemeinsame Verbandsveranstaltung NRW in Bochum.

 

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pfeil nach rechts Den diesjährigen Siegern des Berufswettbewerbes aus NRW wurde für ihre Leistungen in Bochum gedankt.

 

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pfeil nach rechts Prof. Dr. Böhmer (2.v.r.) wurde für seine besonderen Verdienste mit der Ehrenmedaille des Landesverbandes Gartenbau Rheinland e.V. sowie der goldenen Ehrennadel vom Landesverband Gartenbau Westfalen-Lippe e. V. ausgezeichnet.

 

Aus dem Rheinland

Traditionell standen bei der rheinischen Delegiertenversammlung die Berichte der Fachverbandsvorsitzenden an.

Fachverband Rheinischer Baumschulen: Harald Hallen, Mönchengladbach, berichtete stellvertretend für den Vorstand des VRB und machte darauf aufmerksam, dass das Wirtschaftsjahr 2014/2015 trotz positiver Rahmenbedingungen kein besonders gutes für die Baumschulwirtschaft war. Einer seiner Hauptthemenbereiche waren die Quarantäneschädlinge, die der Branche große Probleme bereiten.

Fachverband Zierpflanzen: Eddi Kronenberg, Krefeld, berichtete das ähnlich wie bei den Kollegen der Baumschulen keine Entlastung des Markte zu sehen ist. Verschiedene Kampagnen, wie die der Vermarkter oder auch des ZVG, sollen den Entwicklungen um den Werteverfall der Pflanzen entgegen wirken.

Fachverband Rheinischer Einzelhandelsgärtner: Reiner Höpken, Burscheid, vermittelte den Anwesenden Zuhörern ein etwas besseres Bild über den Ablauf des vergangenen Jahres. Die Einzelhandelsgärtner seien insgesamt mit dem wirtschaftlichen Erfolg 2015 zufrieden, so Höpken. Dennoch waren zurückgehende Umsätze im Zimmerpflanzenbereich zu verzeichnen. Hier sieht Höpken eine große Herausforderung für die Branche. Erfreut war Höpken darüber, dass nun auch Auszubildende die Pflanzenschutzsachkunde für den Einsatz, aber auch für die Kundenberatung in der Ausbildung erwerben können.

Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW: Hans-Christian Leonhards, Wuppertal, machte in seiner Berichterstattung deutlich, dass es dem GalaBau gut geht. Grund für diese Lage war neben dem guten Wetter, auch der niedrige Bauzins, von denen die Landschaftsgärtner profitierten. Ein zentrales Thema der Landschaftsgärtner sei die Mitarbeiterfindung, so Leonhards. Ein weiteres wichtiges Thema seiner Ausführungen war die Bachelorausbildung im Landschaftsbau mit dem Ziel eines Standortes im Ruhrgebiet.

Fachverband Rheinischer Friedhofsgärtner: Carsten Nöll, Essen, berichtete über einen immer härteren Wettbewerb im Dienstleistungsbereich Friedhof. Namenlose Beisetzung, Bestattungswälder, Kolumbarien und Grabeskirchen setzen den Friedhofsgärtnern nach wie vor zu. Nöll betonte, dass die Politik bis heute die Vorteile der Friedhofskultur nicht erkannt hat. Aus diesem Grund ist es wichtig an Konzepten wie Memoriam-Gärten festzuhalten und diese auszubauen.

Aktivitäten des Landesverbandes: Verbandsdirektor Günter Bayer fasste in seinem Bericht die wichtigsten Aktivitäten des Landesverbandes zusammen. Der Strukturwandel im Gartenbau macht auch im Rheinland nicht halt. Die Folge sind zurückgehende Mitgliederzahlen, die nicht durch Neuzugänge ausgeglichen werden können. Ein Schwerpunkt seiner Ausführungen war die Vorstellung der Ergebnisse der Mitgliederbefragung. Erfreut war er hier über die positiven Ergebnisse und die damit verbundene Basis für eine Verschmelzung beider Verbände im kommenden Jahr. Weiter erläuterte Bayer die kommenden Abläufe im Rahmen der Verbandsverschmelzung im kommenden Jahr, die mit verschiedenen Beschlussfassungen verbunden waren und einen großen Raum der Delegiertenversammlung ausfüllten.

Haushalt/Wahlen: Der Haushaltplan 2016 sowie eine Satzungsänderung wurden von den anwesenden Delegierten einstimmig beschlossen. Die Anwesenden stimmten einstimmig der Vorgehensweise zur Verschmelzung des Verbandes am 22. Juni 2016 zu. Vizepräsident Werner Mauer scheidet turnusgemäß aus, wurde zur Wiederwahl vorgeschlagen und einstimmig in seinem Amt bestätigt.

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pfeil nach rechts Werner Mauer wurde einstimmig, für eine weitere Amtsperiode zum Vizepräsident des Landesverbandes Gartenbau Rheinland gewählt.

 

Aus Westfalen-Lippe

Die Verschmelzung der beiden Landesverbände Gartenbau im nächsten Jahr prägte auch die letzte Delegiertenversammlung der westfälisch-lippischen Gärtner in Bochum. Weil Fragen rund um die Verschmelzung im Mittelpunkt stehen sollten, wurde in diesem Jahr auf die Berichte der Fachverbandsvorsitzenden verzichtet. „Das Bilden eines gemeinsamen schlagkräftigen Verbandes ist der einhellige Wunsch unserer Mitglieder. Am 22. Juni 2016 werden wir Nägel mit Köpfen machen“ erklärte Präsident Helmut Rüskamp in seiner bewusst kurz gehaltenen Bilanz für 2015. Zu den positiven Nachrichten, die er verkünden konnte, gehört unter anderem der jetzt erfolgte Tarifabschluss, der bis Ende nächsten Jahres gilt. Ecklohn sind jetzt 12,20 Euro. „Ein fairer Lohn ist wichtig um für viele Gruppen ein attraktiver Arbeitgeber zu sein“ sagte Rüskamp. Zu den Problemen, mit denen sich die Gärtner intensiv beschäftigen, gehört das neue Landesnaturschutzgesetz, das im Lande gerade beraten wird. Unter anderem sind dort 10 m Abstand von Gewässern für gärtnerische und landwirtschaftliche Tätigkeiten geplant. „Das wird fast jeden von uns treffen, deshalb müssen wir in dieser Sache aktiv bleiben“ rief der Präsident seine Mitglieder auf. Geschäftsführer Jürgen Winkelmann berichtete über den erhöhten Bundeszuschuss für die Berufsgenossenschaft. Wer dort auch in die Alterskasse einzahlt, wird im nächsten Jahr dank des höheren Zuschusses mit geringeren Beiträgen bedacht. Der Gartenbauhilfsdienst, den die Westfalen für ihre Mitglieder bereithielten, wird zum Ende des Jahres mangels Nachfrage leider eingestellt werden müssen. Eine engagierte Mitarbeiterin aus diesem Projekt wird in den Verband übernommen.

Eine intensive Diskussion gab es dann in Sachen Haushalt. Hintergrund ist wieder die Verschmelzung der beiden Verbände, die aufgrund der unterschiedlichen Beitragsstrukturen in den beiden Verbänden vor allem für die Westfalen Änderungen mit sich bringt. Die Betriebe im mittleren Segment sind von der Angleichung im Moment besonders betroffen. Das empfanden viele Anwesende als nicht gerecht. Schatzmeister Antonius Brinkmann und Helmut Rüskamp machten jedoch deutlich, dass die Beitragsgestaltung vom Präsidium des neuen Verbandes neu besprochen werden sollte. Außerdem, so Rüskamp, müsse man sich in Dortmund auch Gedanken um die Nachfolge an der hauptamtlichen Spitze des Verbandes machen. Dort fehlt ein Mitarbeiter, der sich verstärkt um die Belange der Betriebe kümmern soll. In den letzten Jahren wurde sehr sparsam gewirtschaftet, doch jetzt muss personelle Verstärkung mit den entsprechenden Kosten her. Die muss auch deshalb her um mit dem Schwesterverband im Rheinland in Zukunft auf Augenhöhe zu bleiben. Letztendlich stimmten die Delegierten der neuen Beitragsstruktur mit wenigen Gegenstimmen zu. Die notwendige Satzungsänderung wurde anschließend einstimmig beschlossen.

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pfeil nach rechts Präsident Helmut Rüskamp konnte in der letzten Jahresbilanz für Westfalen-Lippe auch positive Botschaften verkünden.

 

Ehrungen:

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pfeil nach rechts Theiß Klingelhöfer nimmt die Silberne Ehrennadel des Landesverbandes Gartenbau Westfalen-Lippe e. V. stellvertretend für seine schwer erkrankte Schwester Anke aus den Händen von Helmut Rüskamp entgegen.

 

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pfeil nach rechts Dirk Scholz wurde für sein Engagement für den Gartenbauhilfsdienst mit der Goldenen Ehrennadel des Landesverbandes Gartenbau Westfalen-Lippe e. V. ausgezeichnet.

 

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pfeil nach rechts Bernd Wordtmann engagiert sich seit vielen Jahren für den Gemüsebau auf Landes- und Bundesebene. Die Goldene Ehrennadel des Landesverbandes Gartenbau Westfalen-Lippe e. V. aus den Händen des Präsidenten ist der Lohn für diese Arbeit.

 

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pfeil nach rechts Ein großes Dankeschön für den engagierten Berufsschullehrer Lothar Mey, der in den wohlverdienten Ruhestand geht von Helmut Rüskamp.