Header Presse Archiv

Zum zweiten Mal trafen sich die Fachverbände der Rheinischen und Westfälisch-Lippischen Friedhofsgärtner zu ihrer Wintertagung in Hattingen. Bei der gut besuchten Veranstaltung in der ehemaligen Gebläsehalle wählten sie ihren ersten gemeinsamen Vorstand, der ab Juni dieses Jahres den Fachverband NRW vertreten wird. Zum letzten Mal berichteten Vorstände und Geschäftsführer getrennt.

Rheinland: Reparaturtrupp Friedhofsgärtner?

„Wir Friedhofsgärtner realisieren wie gesellschaftliche Reparaturtrupps mit gärtnerbetreuten Grabfeldern wie den Memoriam-Gärten intakte Inseln auf den Friedhöfen“, erklärte Carsten Nöll. Der Essener berichtete in seinem Rückblick über ein Jahr 2015 in dem das Wetter zwar im Wesentlichen mitspielte, aber in dem der Druck auf die Betriebe weiter zunahm. Friedhofsferne Bestattungen in Bestattungswäldern und Grabeskirchen sorgen dafür. „Wer seine Vertragszahlen und seinen Umsatz halten konnte, gehört noch den erfolgreichen Betrieben“, stellte Nöll fest. Marketing tut vor diesem Hintergrund besonders not, deshalb haben die Rheinländer die Finanzierung ihrer Kampagnen bis 2017 bereits beschlossen. Mit „Raum für Erinnerung“, das ab sofort auch auf Bundesebene zur Verfügung steht, gibt es jetzt außerdem eine Kampagne, die die Emotionen der Menschen gezielt anspricht. Carsten Nöll stellte abschließend fest, dass er ein Befürworter der Verbands-Verschmelzung ist. „Dieser NRW Verband wird uns schlagkräftiger machen“.

Westfalen: Kriterien für das Qualitätszeichen überarbeiten

Martin Asbeck vertrat seinen erkrankten Fachgruppenvorstand Josef Knostmann, der bereits vorab erklärt hatte, den Vorsitz der neuen NRW-Fachgruppe zu übernehmen. Asbeck berichtet über ein enges Miteinander unter den Friedhofsgärtner-Verbänden im Lande, das es bereits seit mehr als zehn Jahren gibt. Bei den Werbeaktionen wies er gezielt auf die „Lichter gegen das Vergessen“, die im vergangenen Herbst mit lila Kerzen zu den Totengedenktagen für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Diese Aktion steht jetzt allen Friedhofsgärtnern exklusiv zur Verfügung. Für die Internationale Gartenbauausstellung Berlin 2017 (IGA) und für die parallel laufende Landesgartenschau in Bad Lippspringe werden noch Aussteller gesucht. Anmeldungen sind ab sofort möglich. Martin Asbeck, der sich intensiv mit dem Thema Qualitätszeichen beschäftigt, berichtete außerdem, dass die Kriterien in den nächsten Monaten neu überdacht und überarbeitet werden.

Der neue gemeinsame Vorstand

Der gemeinsame Vorstand der Friedhofsgärtner setzt sich aus insgesamt zwölf Mitgliedern zusammen. Davon werden je fünf aus jedem Landesteil gewählt, hinzukommen aus jedem Landesteil je ein Delegierter der Dauergrabpflege-Genossenschaften und Treuhandstellen. Dieses Gremium wird bei seiner ersten Zusammenkunft einen Vorstand wählen, gewählt wird für jeweils drei Jahre. Ab 22. Juni – dann wird der Landesverband Gartenbau NRW konstituiert – setzt sich der Vorstand der Friedhofsgärtner nach dem mehrheitlichen Wunsch der Anwesenden in Hattingen so zusammen: Karl Braun, Viersen; Stephan Neuenhofer, Mönchengladbach; Carsten Nöll, Essen; Anja Qayyum-Kocks, Mühlheim; und Thomas Schlimgen, Köln kommen aus dem Rheinland. Für Westfalen wurden gewählt: Martin Asbeck, Iserlohn; Martin Blumenkamp, Bochum; Josef Knostmann, Schwerte; Thomas Seppelfricke, Gelsenkirchen und Andrea Wiese, Bochum. Dazu kommen Jan Peter Quelle, Bielefeld und Fritz Mölders, Duisburg, für die flächendeckenden Dauergrabpflege-Gesellschaften. Alle bisherigen Vorstandsmitglieder wurden herzlich dazu eingeladen auch weiter in diesem Gremium als Gäste mitzuarbeiten.

In Westfalen-Lippe gibt es seit Jahren für Mitglieder des Fachverbandes der Friedhofsgärtner einen zusätzlichen Beitrag in Höhe von 50€. Die Rheinländer stimmten in Hattingen diesem Verfahren zu und werden die Arbeit ab 2017 in gleicher Höhe unterstützen.

Ausbildung: Zahlen leicht gesunken

Thomas Schlimgen berichtete über die Ausbildungszahlen des letzten Jahres. Als „erschreckend“ bezeichnete er die Tatsache, dass das Niveau der Absolventen immer niedriger zu werden scheint: Gute und sehr gute Leistungen gibt es bei den Abschlussprüfungen kaum noch, die meisten Kandidaten hangeln sich mit befriedigend oder ausreichend durch die Qualifikationen. „Wenn wir so weitermachen, werden wir in zehn Jahren die letzten ihres Standes ausbilden“, erklärte Schlimgen zu den Zahlen. 2014 waren noch 106 Auszubildende zu prüfen, im vergangenen Jahr waren es nur noch 95. Wie seine Vorredner wies der Kölner nachdrücklich darauf hin, dass die Friedhofsgärtner mit ihren Gemeinschaftsanlagen Verpflichtungen für viele Jahre eingehen – wer die professionelle Bearbeitung dieser Aufträge in Zukunft sicher stellen will, muss jetzt ausbilden. Die Kampagne „Ruhebewahrer“, die die Kölner Genossenschaft initiiert hat, zeigt übrigens sehr gute Erfolge. In diesem Jahr konnten 24 Interessenten gewonnen werden – das sind mehr als die Kölner Friedhofsgärtner selbst ausbilden können. Dank dieser Zahlen konnte auch der Berufsschulstandort in Köln gesichert werden. Die Kampagne ist mittlerweile über den Bundesverband für alle Friedhofsgärtner zugänglich.

Dauergrabpflege: Gemeinschaftsfelder steigend

35% der im letzten Jahr abgeschlossenen Dauergrabpflegeverträge im Rheinland entfallen mittlerweile auf gärtnerbetreute Felder – darauf wies Martin Walser, Geschäftsführer der Rheinländer, in Hattingen hin. Die Abschlusszahlen insgesamt liegen über den Zahlen des sehr guten Jahres 2013, allerdings konnten die Vertragssummen nicht übertroffen werden, sie sind leicht gesunken. Auch die Westfalen, für die Ralf Harbaum berichtete, verzeichnen für 2015 ein Plus von 8%. Insgesamt entfallen 10% der Verträge in Dortmund auf die Bestattungsvorsorge. 700 Betriebe auf 1.300 Friedhöfen schließen mittlerweile über Dortmund ab, Köln verzeichnet 500 Betriebe auf 1.025 Friedhöfen. Mit dem Landesverband Gartenbau NRW bekommen die beiden Treuhandstellen einen identischen Mehrheitsgesellschafter. Um die Grundlagen für die Zusammenarbeit im Fachverband zu vereinheitlichen, ist eine Übergangszeit bis 2018 vorgesehen. Danach, darauf wies Fritz Mölders, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Rheinischen Treuhandstelle hin, ist die Mitgliedschaft im Verband Grundvoraussetzung für den Abschluss von Verträgen. Auf lange Sicht ist ein Zusammenschluss der beiden Treuhandstellen geplant.

Mit der Umfrage „Entwicklung der Betriebe“, vorgestellt von Dr. Karl-Heinz Kerstjens, Essen, der Ehrung der Aussteller der BUGA 2015 im Havelland, dem Pflanzenschutzvortrag von Rainer Wilke, Pflanzenschutzamt Bonn, dem Thema „Mitarbeiterführung einmal ganz anders“ von Prof. Dr. Helmut Wohland und den wie immer wichtigen und gekonnt vorgetragenen Ausführungen von Rechtsanwalt Stephan Eichner, Köln, bot diese Wintertagung ein vielseitiges Programm für alle.

 

Hattingen1 kamera

pfeil nach rechts Martin Asbeck vertrat den erkrankten Josef Knostmann als Vorsitzenden der Westfalen

 

 Hattingen2 kamera

pfeil nach rechts Carsten Nöll repräsentierte die Rheinländer

 

Hattingen3 kamera

pfeil nach rechts Geschäftsführer berichteten gemeinsam – Ralf Harbaum und Martin Walser

 

Hattingen4 kamera

pfeil nach rechts Der neue gemeinsame Vorstand mit den beiden Geschäftsführern vor der imposanten Kulisse der Henrichshütte in Hattingen

 

Netz2 kamera

pfeil nach rechts Reger Austausch westfälisch-lippischer und rheinischer Kollegen in den Tagungspausen.

 

pfeil nach rechts Text und Bilder: Christiane James, Straelen