Bernd Kempkens hat sich über Geldern hinaus einen Namen gemacht: In seinem eigenen Betrieb produziert er Hunderttausende Schnittblumen im Jahr. Kempkens zeigt, wie nachhaltige Rosenproduktion in NRW funktioniert. Ein Plädoyer für regionale Schnittblumen.
Wenn Bernd Kempkens frühmorgens durch seine Rosenhäuser in Geldern geht, ist die Luft noch kühl, die Blumen frisch gegossen, und in den Köpfen der Blüten liegt ein zarter Duft. Die Rose ist für Gärtnermeister Bernd Kempkens mehr als nur eine Blume – sie ist Lebensinhalt, Leidenschaft, Identität. Und das merkt man. Seit er den Betrieb im Jahr 1982 von seinem Vorgänger übernahm, züchtet Kempkens mit seinem Team in Geldern Rosen für Florist:innen, Einzelhändler:innen und Privatkund:innen.
An einer unscheinbaren Landstraße am Ortseingang von Geldern liegt das kleine Paradies von Bernd Kempkens. Auf rund 8.000 Quadratmetern unter Glas wachsen hier Jahr für Jahr Hunderttausende Schnittrosen – sorgfältig kultiviert. „Länger als fünf Minuten ist bei uns keine Rose trocken“, sagt Kempkens mit einem Lächeln, das verrät: Hier steckt Herzblut in jedem Stängel. Die frisch geschnittenen Rosen kommen gezielt auf spezielle Aufbereitungsmittel – so bleibt die Versorgungskette lückenlos und die Qualität der Blumen erhalten. In den Sommermonaten scheinen seine Gewächshäuser vor bunten Farben förmlich zu explodieren – obwohl: „Meine Lieblingsfarbe ist weiß“, sagt Kempkens mit einem verschmitzten Lächeln. Über 30 Sorten vertreibt er – zunehmend direkt am Betrieb. Das ist eine Konsequenz aus veränderten Marktbedingungen. „Früher kauften Florist:innen ihre Blumen eimerweise. Heute nehmen sie nur noch einzelne Bünde mit“, erklärt Kempkens. Für den Betrieb bedeutete das ein Umdenken: Statt nur für den Großhandel zu produzieren, setzt er seit einigen Jahren stärker auf Direktvermarktung. Workshops, etwa zum Schneiden von Gartenrosen, locken Interessierte aus dem ganzen Rheinland zum Betrieb und schaffen Nähe zum Produkt. Mit solchen Angeboten liegt Kempkens goldrichtig: Für den letzten Workshop gingen binnen weniger Tage knapp 250 Anmeldungen ein.
Seine Kund:innen danken es Bernd Kempkens mit ihrer Treue. „90 Prozent unserer Kund:innen sind Stammkund:innen. Viele kenne ich mit Namen – und die Geschichten zu ihren Sträußen gleich mit“, sagt Kempkens. Einmal kam ein junger Mann, der für sein erstes Date gleich 50 Rosen kaufte. Ein anderer wollte mit einem Strauß bei seiner künftigen Schwiegermutter punkten. „Blumen sind eben Emotionen“, weiß Kempkens.
Und sie sind Vertrauenssache. „Viele meiner Kunden wissen, dass sie hier Qualität bekommen. Sie wissen, woher die Rose kommt. Und dass sie frisch ist.“ Ein Vertrauen, das Kempkens sich mit viel Sorgfalt, Erfahrung und Nahbarkeit erarbeitet hat – und das er sich auch von den Florist:innen wünscht. „Viele greifen noch zu Importware, weil sie es nicht anders kennen. Dabei bekommen sie bei uns alles: Regional, hochwertig, nachhaltig produziert – und direkt vom Gärtner.“ So setzt er sich auch von Gartencenter großer Ketten ab. Aus dem Familienbetrieb in Geldern wird damit ein Botschafter für die deutsche Blumenproduktion – mit einem klaren Appell an den Endverkauf: „Regionale Schnittblumen sind kein Kompromiss, sondern ein Qualitätsversprechen.“Der Gärtnermeister produziert nach Bio-Standards –der bürokratische Aufwand für eine Zertifizierung wäre allerdings erheblich. Kempkens setzt konsequent auf umweltschonende Verfahren und nachhaltige Anbaumethoden, wo immer es möglich ist. „Wir produzieren mit Verantwortung – für unsere Kunden, für die Umwelt und für uns selbst.“ Seinen Dünger setzt Kempkens selbst zusammen – vollorganisch. Genau wie Tipps zum Einsatz von Insektiziden und Fungizide gibt er seinen Dünger an seine Kund:innen weiter.
Den Preisdruck aus dem Ausland spürt auch Kempkens: Billigware aus Afrika, energieintensive Anzucht zu Valentinstag – mit dem Preiskampf kann und will er nicht mithalten. „Für Rosen im Februar müssten wir massiv heizen – das rechnet sich bei den aktuellen Energiepreisen einfach nicht.“ Stattdessen gibt es ein starkes Frühjahr und eine Saison, die sich bis in den Herbst zieht. Etwa zwei bis drei neue Sorten testet Kempkens jedes Jahr. In seinem Sortiment hat er ausschließlich Qualitätsrosen, die zuvor durch die Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung (ADR) streng geprüft und bewertet wurden. Der Gärtnermeister setzt nur auf Rosen, von deren Qualität er selbst überzeugt ist. Dafür setzt er auf die Zusammenarbeit mit großen Züchtern. Sattgesehen hat er sich an Rosen noch lange nicht. „Die Rose ist für mich immer noch die schönste aller Blume.“
Der Wettbewerb ist hart, nicht zuletzt wegen niedrigpreisiger Importprodukte aus Afrika. Und doch bleibt der Betrieb in Geldern konkurrenzfähig – durch Qualität, Persönlichkeit und Erfahrung. Das Einmalige kann jeder, sagt Kempkens. „Aber die Kunst ist es, dass die Kunden wiederkommen.“Und die kommen. Nicht nur wegen der Rosen. Sondern auch wegen eines Gärtners, der die Blume nicht nur kultiviert, sondern lebt.