Die Mitgliederversammlung des Fachverbandes Friedhofsgärtner im Landesverband Gartenbau NRW zeigte deutlich: Die Branche steht unter Druck. Gleichzeitig engagiert sich die Branche aktiv, um Lösungen aufzuzeigen.
Eva Kähler-Theuerkauf, Präsidentin des Landesverbandes Gartenbau NRW, ordnete die aktuelle Lage des Gartenbaus politisch ein. Sie sprach über steigende Kosten, neue Auflagen und den anhaltenden Mangel an Arbeitskräften. Gleichzeitig betonte sie die Bedeutung des Friedhofs als kulturellen und gesellschaftlichen Ort. Ihr Verband bringt die Anliegen der Betriebe klar in die Politik ein – in NRW und auf Bundesebene.
Friedhof im Wandel
Was viele Betriebe bewegt: Der Friedhof verliert Marktanteile, neue Bestattungsformen gewinnen an Raum. Die Liberalisierung im Bestattungsrecht beschäftigt die Branche. Im Nachbarland Rheinland-Pfalz wurde der Friedhofszwang für Urnen aufgehoben. In Nordrhein-Westfalen wurde eine Überarbeitung und Änderung des Bestattungsgesetzes im Herbst 2024 als nicht erforderlich angesehen, da dieses im Ländervergleich modern und liberal ist. Der Verband sucht jedoch weiterhin das Gespräch mit der Landespolitik, um den Friedhof als verlässlichen und würdigen Ort der Trauerkultur zu sichern, versicherte Eva Kähler-Theuerkauf.
Dauergrabpflege bleibt Anker
Die Berichte aus den Treuhandstellen in Westfalen und im Rheinland von Martin Walser und Ralf Harbaum zeigten eine stabile Entwicklung. Das verwaltete Kapital wächst weiter. Viele Kund:innen entscheiden sich für langfristige Lösungen. Vor allem gemeinschaftliche Grabangebote in gärtnerbetreuten Grabanlagen prägen das Bild. Sie bündeln Leistungen in einem Paket, geben Angehörigen Sicherheit und schaffen Planungssicherheit für die Betriebe.
Die Treuhandstellen passten mit Kostensteigerungen die Auszahlungen an die Betriebe an – sie reagieren damit auf höhere Löhne und steigende Betriebskosten. Ziel ist es weiterhin, die zugesagten Leistungen dauerhaft zu erfüllen.
Qualität und Sichtbarkeit stärken
Der Vorstand berichtete über Qualitätszeichenprüfungen in 2025 und über die Diskussion auf Bundes- und Landesebene zu deren Fortführung. Die Zertifizierung soll gegenüber den Kunden Leistungsfähigkeit und Qualität sichtbar machen und Vertrauen schaffen.
Auch die Beteiligung an Gartenschauen bleibt ein wichtiger Baustein zur Stärkung der Sichtbarkeit der Betriebe. Die Landesgartenschau in Neuss 2026 bietet auch dem Friedhofsgartenbau eine große Bühne. Die Friedhofsgärtner planen wieder den zentralen Beitrag “Grabgestaltung und Denkmal” mit 35 Mustergräbern. Diese sollen Besucher:innen Gestaltunganregungen geben sowie über die Angebotsbreite der Friedhofsgärtnereien beraten und informieren. Nirgendwo sonst findet man auf der Landesgartenschau die Sortimentsbreite und –tiefe an Pflanzenarten.
Optimismus trotz Personalmangel
In den Diskussionen unter den Teilnehmenden wurde deutlich: Viele Betriebe haben volle Auftragsbücher. Gleichzeitig fehlt es an Fachkräften. Die Lohnkosten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Ein Abschluss bei den laufenden Tarifverhandlungen muss für die Betriebe vertretbar bleiben, betonten die Unternehmer:innen. Diese Linie vertritt auch der Verband klar in den Tarifgesprächen.
Der Vorsitzende Karl Braun brachte die Situation auf den Punkt: „Ich bin mir absolut sicher, dass wir im Dienstleistungsgartenbau trotz all dieser Herausforderungen weiter wachsen können. Zu häufig fehlen uns aber die nötigen Hände, um all die Arbeit zu schaffen!“
Aus dieser Entwicklung leitet er eine klare Forderung des Berufsstandes ab: Nur durch die Aufhebung der Meistervoraussetzung für die Ausbildung im Gartenbau können neue Ausbildungsbetriebe gewonnen werden. Dabei bleibt der Meisterbrief ein zentraler Baustein der beruflichen Qualifikation. Er steht für fachliche Tiefe und unternehmerische Kompetenz. Doch ohne zusätzliche Ausbildungsbetriebe fehlt langfristig der Nachwuchs. „Wenn hier nichts geschieht, stirbt unser Beruf auf Dauer“, so Karl Braun.
Nachwuchswerbung: aktiv werben statt zu klagen
Wie man junge Menschen für den Beruf Gärtner:in gewinnt, zeigte Lutz Fischer in seinem Beitrag zur Nachwuchswerbung. Er stellte neue Formate und digitale Kanäle auf Landes- und Bundesebene vor.
Betriebe können kurze Beiträge aus ihrem Arbeitsalltag erstellen und veröffentlichen. Die Inhalte erscheinen auf einer zentralen Plattform und sollen auch über soziale Medien verbreitet werden. Besonders der Kanal TikTok spielt dabei eine Rolle, weil viele junge Menschen ihn täglich nutzen. Die Idee: Auszubildende und Betriebe zeigen authentisch, wie der Arbeitsalltag im Gartenbau aussieht. So entsteht ein realistisches Bild des Berufs.
Weitere Vorträge befassten sich mit der Aufzeichnungspflicht im Pflanzenschutz in den Betrieben sowie mit aktuellen Fragen des Arbeitsrechts.
Vorstand bestätigt und gemeinsamer Auftrag
Bei den turnusmäßigen Wahlen sprachen die Mitglieder den Vorstandsmitgliedern ihr Vertrauen aus: Joachim Klingler (Soest), Martin Asbeck (Unna) und Franziska Wilms (Velbert) wurden für weitere drei Jahre in den Vorstand des Fachverbandes gewählt.
Die Beiträge des Tages griffen immer wieder denselben Kern auf:
Der Friedhof steht im Wandel. Kosten steigen. Märkte verschieben sich. Gesellschaftliche Erwartungen verändern sich. Die Mitgliederversammlung zeigte: Die nordrhein-westfälischen Friedhofsgärtner:innen wollen diesen Wandel aktiv gestalten – und blicken optimistisch nach vorne.